März 1966 auf dem Salon d’Automobile in Genf: Im Rahmen der Schweizer Messe präsentiert Alfa Romeo ein zweisitziges Cabriolet, das schnell auf der ganzen Welt zum Sinnbild für italienisches Open-Air-Vergnügen wird. Das Werk von Stardesigner Battista „Pinin" Farina hat zunächst noch keinen eigenen Namen. Spider bezeichnet im Italienischen allgemein einen offenen Sportwagen beziehungsweise Roadster. Per Publikumsabstimmung entsteht die inoffizielle Bezeichnung „Duetto“, die bis heute für die erste Modellgeneration des Alfa Romeo Spider verwendet wird.
Exakt 60 Jahre später ist der Reiz des Alfa Romeo Spider ungebrochen, wie die offizielle Geburtstagsfeier im Werksmuseum von Alfa Romeo eindrucksvoll zeigte. Hunderte von Alfisti aus der ganzen Welt trafen sich im norditalienischen Arese, um einer automobilen Ikone zu gratulieren.
Für Alfa Romeo ist die eigene Vergangenheit ein gelebter, identitätsstiftender Wert und zugleich eine fortwährende Inspirationsquelle für die Zukunft. Dies ist auch der Ansatz des neuen Bereichs „The Story“ innerhalb des Museums. Er konzentriert sich auf das Projekt Bottegafuoriserie, das sich unter anderem der Pflege des Markenerbes widmet. Die handwerklichen Fähigkeiten, die charakteristisch für die legendären Alfa Romeo aus der Historie sind, schlagen die Brücke zu den Modellen der Zukunft.
Geburtstagsfeier im Museo Storico Alfa Romeo in Arese
Eine große Party im Werksmuseum von Alfa Romeo am Stadtrand von Mailand setzte den Startschuss für die offiziellen Feierlichkeiten zum 60. Geburtstag des Alfa Romeo Spider. Ein Höhepunkt war eine Parade mit Fahrzeugen aller vier Modellgenerationen auf der hauseigenen Teststrecke. In diesem Rahmen wurde auch die Ausstellung „Spider is Alfa Romeo“ eröffnet, die bis Dezember 2026 läuft.
Die Ausstellung „Spider is Alfa Romeo“ ist in vier Bereiche gegliedert, die jeweils einer Modellgeneration gewidmet sind:
- Von April bis Juni steht der von 1966 bis 1969 gebaute „Duetto“ im Mittelpunkt.
- Im Juli und August folgt die zweite Generation (1969-1982), aufgrund des kantigen Hecks als Coda Tronca bekannt.
- Im September und Oktober ist die dritte Baureihe (1983-1989) dran, die aufgrund der aerodynamisch optimierten Karosserie den Beinamen Aerodinamica trägt.
- Im November und Dezember bildet die vierte Generation den Abschluss, die von 1989 bis 1994 produziert wurde.
Über den ganzen Zeitraum können sich Alfisti auch selbst aktiv beteiligen, beispielsweise indem sie ihr eigenes Fahrzeug ausstellen.
Ursprung eines Meisterwerks des italienischen Automobildesigns
Mit den von 1955 bis 1965 gebauten Modellen Giulietta Spider und Giulia Spider feierte Alfa Romeo unter den Roadster-Fans weltweit und speziell in den USA große Erfolge. Doch Mitte der 1960er-Jahre war die Zeit reif für einen moderneren Nachfolger.
Für die technische Basis wählte Alfa Romeo das Coupé Giulia Sprint GT, in Deutschland besser bekannt unter dem Spitznamen „Bertone“. Die Ingenieure verkürzten den Radstand um einen Zentimeter auf 2.250 Millimeter. Einzelradaufhängung an der Vorderachse, Fünfganggetriebe, Hinterradantrieb und Scheibenbremsen ringsum blieben erhalten und sorgten für sportliches Fahrverhalten.
Die Karosserie zeichnete Designerlegende Battista „Pinin“ Farina, der bereits ein Jahrzehnt zuvor die Giulietta Spider entworfen hatte. Die niedrige, schlanke Karosserie mit abgerundetem Bug und Heck trug vorne zweiteilige Stoßfänger, um das zentrale Markenemblem hervorzuheben. Breite Sicken entlang der Flanken betonten die flache Linienführung.
Der Innenraum spiegelte das für Alfa Romeo typische Layout der 1960er‑Jahre wider. Hinter dem tief geschüsselten Lenkrad informieren zwei große Rundinstrumente über Geschwindigkeit und Motordrehzahl. Drei kleinere Anzeigen in der Mitte der Armaturentafel überwachen die Temperatur des Kühlwassers, den Öldruck sowie den Tankinhalt.
Zum Marktstart war der Alfa Romeo Spider mit dem legendären Doppelnockenmotor aus Leichtmetall ausgestattet, der aus 1.570 Kubikzentimetern Hubraum 79 kW (108 PS) produzierte. Bei einem Leergewicht von 990 Kilogramm erreichte der Alfa Romeo Spider 1600 eine Höchstgeschwindigkeit von 185 km/h. Im Laufe der Jahre ergänzten weitere Varianten des Vierzylinders mit 1.290 sowie 1.779 und 1.962 Kubikzentimetern Hubraum die Palette. Je nach Land waren schließlich zwei Doppelvergaser oder eine mechanische (Spica) beziehungsweise elektronische Benzineinspritzung für die Gemischaufbereitung zuständig.
Vier Modellgenerationen – eine Persönlichkeit
Bei der Präsentation des Spider ging Alfa Romeo im großen Stil ans Werk. Für die Premiere in den USA wurde eine Kreuzfahrt über den Atlantik organisiert. Der Luxusliner „Raffaello“ fuhr von Genua in Norditalien nach New York und machte anlässlich der Filmfestspiele einen Zwischenstopp im französischen Cannes. Als Gäste waren rund 1.300 Prominente aus Showbusiness, Sport und Mode an Bord. Während der gesamten Kreuzfahrt waren drei Alfa Romeo Spider auf dem Schiff ausgestellt: ein grünes, ein weißes und ein rotes Exemplar. Damit zitierte Alfa Romeo die italienischen Nationalfarben und betonte die Herkunft des neuen Roadsters.
Das amerikanische Publikum reagierte begeistert. Schnell tauchte der Alfa Romeo Spider in Film- und Fernsehproduktionen auf, in denen ein europäisches Requisitenfahrzeug gefragt war. Das bekannteste Beispiel ist der Hollywood-Blockbuster „Die Reifeprüfung“ mit dem damals noch jungen Dustin Hoffman in der Hauptrolle. Seine Figur Benjamin Braddock fährt einen Alfa Romeo Spider. Der italienische Roadster passte so gut in die Atmosphäre des in der kalifornischen High-Society angesiedelten Films, dass er sich als eines der wichtigsten Filmautos der Geschichte ins kollektive Gedächtnis der Kinofans eingebrannt hat.
Das eigentlich nur als Projektname mit Spider bezeichnete Cabriolet besaß anfangs keinen offiziellen Namen. Noch vor der Präsentation organisierte Alfa Romeo in Zusammenarbeit mit allen europäischen Händlern ein Preisausschreiben. Die Fans entschieden sich mehrheitlich für den Namen „Duetto“. Doch diese Lösung scheiterte an rechtlichen Problemen, es gab bereits einen gleichnamigen Schokoladenkeks. So blieb es bei der Modellbezeichnung Alfa Romeo Spider.
- Alfa Romeo Spider „Duetto“ (1966 – 1969)
Das einzigartige Design der ersten Modellgeneration, in Deutschland heute allgemein als „Rundheck” bezeichnet, blieb nicht ohne Kritik. Vielen Puristen erschien die im Vergleich zum Vorgänger, dem ebenfalls von Farina gezeichneten Alfa Romeo Giulietta Spider, rundliche Form der Karosserie als zu feminin. Die Arbeiter in der Produktion im neuen Werk Arese vergaben den Spitznamen „Osso di Sepia". Was nach einer italienischen Liebeserklärung klingt, wird in der Übersetzung wenig schmeichelhaft zu „Rückenschulp eines Tintenfischs". Jene Kalkplatte also, die man als Dekoration aus der Wellensittich-Voliere kennt. Ironischerweise ist der „Duetto“ alias „Osso di Sepia“ heute unter Oldtimerfans die begehrteste und damit auch teuerste Generation des Alfa Romeo Spider.
- Alfa Romeo Spider „Coda Tronca“ (1969 – 1982)
Die zweite Modellgeneration weist besonders im Heckbereich ein völlig anderes Design auf. Das senkrecht abfallende „Coda Tronca“ – außerhalb Italiens meist Fastback genannt – ersetzte die rundliche Form des Vorgängers. Mit fast 50.000 Exemplaren über einen Zeitraum von 13 Jahren wurde diese Baureihe die erfolgreichste. Zu den Sonderserien zählte die 1978 präsentierte „Niki Lauda Special Edition“ speziell für den US‑Markt. Sie war eine Hommage an den österreichischen Formel-1-Weltmeister, der zu dieser Zeit einen Brabham mit Motor von Alfa Romeo pilotierte.
- Alfa Romeo Spider „Aerodinamica“ (1983 – 1989)
Die dritte Modellgeneration wurde dem Zeitgeist und umfangreichen Versuchen im Windkanal folgend mit Front- und Heckspoiler versehen und trägt den Beinamen „Aerodinamica“.
- Alfa Romeo Spider „4. Serie“ (1989 – 1994)
Die letzte Modellgeneration wies eine schnörkellose, stromlinienförmige Karosserie auf. Sie wurde ebenso nüchtern „4. Serie“ genannt. Zu den Sondermodellen zählten der auf den französischen Markt beschränkte Alfa Romeo Spider Beauté (1991) und die „Commemorative Edition“, mit der sich der italienische Roadster nach 28 Jahren von den US-amerikanischen Alfisti verabschiedete.
Je nach Marktanforderungen erfolgte die Produktion des Alfa Romeo Spider sowohl im Stammwerk in Arese als auch bei Pininfarina in Turin. Zwischen 1966 und 1993 liefen über vier Generationen hinweg mehr als 124.000 Spider vom Band – bis heute wurde kein anderes Modell der italienischen Traditionsmarke länger gebaut.
Alfa Romeo Classiche: Der „Duetto“ kehrt zurück zu seinen Wurzeln
Ein deutlicher Beweis für die zeitlose Anziehungskraft des Alfa Romeo Spider in der ersten Modellgeneration „Duetto“ ist die große Anzahl der Fahrzeuge, die zur Restaurierung beim Officine Classiche‑Zentrum von Alfa Romeo in Turin eingeliefert werden. Das Kompetenzzentrum ist die erste Anlaufstelle für Sammler, die ihren Spider in den ursprünglichen Zustand zurückversetzen oder dessen volle Authentizität erhalten wollen.
Das Programm von Alfa Romeo Classiche gliedert sich in drei Hauptdienstleistungen:
Originalitätsnachweis (Certificate of Origin): Anhand der Fahrgestellnummer wird die werksseitige Konfiguration des Fahrzeugs im Werksarchiv ermittelt. Im Zertifikat sind das Produktionsjahr, die Motornummer sowie Details zu Karosserie und Innenraum aufgeführt.
Echtheitsnachweis (Certificate of Authenticity): Das Zertifikat bescheinigt die Originalität eines Fahrzeugs und hebt dessen Wert durch strengen technischen und dokumentarischen Prüfprozess hervor. Der Ist-Zustand wird mit Unternehmensarchiven abgeglichen, außerdem werden mechanische und ästhetische Komponenten analysiert. Am Ende des Prozesses steht eine Dokumentation mit Bildband, technischen Nachweisen und Plakette.
Werkstatt: Die Spezialisten von Alfa Romeo Classiche bieten umfangreiche Dienstleistungen – von der normalen Wartung bis zur vollständigen Restaurierung nach originalen Werksvorgaben.
Seit 2015 ist Alfa Romeo Classiche im ehemaligen FIAT-Werk im Turiner Stadtteil Mirafiori beheimatet. Das Kompetenzzentrum erstreckt sich über eine Fläche von etwa 6.000 Quadratmetern und ist mit Hebebühnen, Spezialmaschinen sowie einem eigenen Bereich für Lackierungen und hochpräzise Finish-Arbeiten ausgestattet.
( Text & Fotos: Alfa Romeo Presse- und Öffentlichkeitsarbeit )

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